Der Name kommt von den Kannenbäckern, den Krug- und Kannenmachern, die den örtlichen Ton zu Steinzeug verarbeiteten. Das Verfahren, das die Region berühmt gemacht hat, ist die Salzglasur: Ins heiße Brennfeuer wird Salz gegeben, das mit dem Scherben reagiert und eine glasige, wasserdichte Oberfläche bildet. Der graue Grundton, dazu Kobaltblau und später Manganviolett als Dekorfarben – dieses Erscheinungsbild wurde über Jahrhunderte zum Markenzeichen und ist bis heute das, was man mit Westerwälder Keramik verbindet.
Die Orte des Kannenbäckerlandes liegen dicht beieinander am Westrand der Region: Höhr-Grenzhausen, Ransbach-Baumbach, Hilgert, Hillscheid, Mogendorf, Siershahn und Wirges. Die Landschaft dort ist kein Postkartenmotiv, sondern Arbeitsgebiet – Gruben, Werkshallen, Schornsteine, dazwischen Wohnbebauung. Wer den Übergang von der Handwerks- zur Industrieproduktion sehen will, findet ihn hier direkt an der Straße: Aus den Töpferwerkstätten wurden Betriebe für technische und feuerfeste Keramik, die den gleichen Rohstoff nutzen, aber für Industrieanwendungen.
Fahrerisch ist das Kannenbäckerland der unruhigste Teil des Westerwaldes. Die Straßen sind eng geführt, oft von Werkszufahrten unterbrochen, der Schwerverkehr gehört dazu. Man fährt hier nicht wegen der Kurven, sondern wegen des Kontrastprogramms: eine Stunde Industriegeschichte zwischen zwei Höhenetappen, gut zu kombinieren mit dem Abstieg an den Rhein.